Spielmannszug Einigkeit Greven Chronik

Der 9. Mai 1931 ist das Gründungsdatum des Spielmannszuges „Einigkeit Greven“, einer selbstständigen Abteilung im Schützenverein Einigkeit Sandweg. Im Süden der Stadt, den „Overmanns-Bergen“, trafen sich damals Josef Brinkmann, Georg Erlenkamp, Bernhard Lake, Anton und August Pieper, Wilhelm Schlautmann, Josef Schweifel und Bernhard Witting regelmäßig zu Probestunden. Nach kurzer Zeit gehörten auch Heinrich Lamboury und August Theißing zu den Spielleuten.


Der Spielmannszug „Einigkeit Greven“ in den Anfangsjahren
(von links) Anton Pieper, Bernhard Witting, Georg Erlenkamp, Josef Brinkmann, Willi Schlautmann,
Bernhard Lake, August Theißing, August Pieper, Heinrich Lamboury, Josef Schweifel (Tambourmajor)


Die Anfangsjahre waren geprägt durch Übungsstunden, jedoch konnte bereits 1934 der erste Auftritt in Uniform durchgeführt werden. Aus den dann folgenden Vorkriegsjahren sind wenige Aktivitäten überliefert.

Der 2. Weltkrieg brachte das Vereinslebens des Spielmannszuges vollends zum Erliegen. Von den Mitgliedern, die fast alle eingezogen wurden, kehrten einige nicht zurück.

Erst im Jahr 1947 unternahmen die Spielleute, wiederum unter der Leitung von Josef Schweifel, einen Neuanfang. Standen in den ersten Jahren auch zunächst nur Schützen- und Feuerwehrfeste auf dem Programm, so konnte doch 1952 schon der Besuch eines Freundschaftstreffens vermeldet werden und 1956 zog es die Spielleute bereits zu einem Wettstreit mit anderen Spielmannszügen nach Bockum-Hövel. Ein imposantes Erinnerungsstück an diesen Auftritt, ein Adler mit ausgebreitetem Gefieder auf einem Holzsockel, befindet sich noch heute im Besitz des Spielmannszuges.

Auch zu Karneval waren die Musiker aus Greven damals bereits gefragt. So hatte man zum Rosenmontagszug in Münster mehrere Jahre hintereinander eine Einladung erhalten. Die zum damaligen Zeitpunkt getragene Uniform (weiße Jacke, weiße Hose) musste auch als Karnevalskostüm herhalten. Roter Stoff schmückte dazu die Jacke am Kragen, an den Ärmeln und den Taschen. Die Knöpfe wurden mit diesem Stoff umwickelt, und ein entsprechendes rotes Einstecktuch erhielt auch jeder. Dann noch Fransen in der gleichen Farbe an den Trommeln und am Tambourstab, und man konnte sich gut sehen lassen in Münster.


Rosenmontagszug in Münster- vorneweg „Der lange Heini“ (Heinrich Vonheiden)


Zum Auftritt beim Kölner Rosenmontagsumzug Anfang der 60er Jahre wurde dann jedoch ein richtiges Karnevalskostüm geschneidert. Als Köche verkleidet unterhielten die Grevener Spielleute damals die rheinischen Jecken.

Wie bei allen anderen Musikvereinen zu der Zeit gehörten auch beim Spielmannszug Einigkeit Greven die Märsche „67er“, „Treu Deutsch“ und „Mein Regiment“ zum Standardrepertoire. Die Schützenbrüder der Grevener Schützenvereine konnten damit, wie auch mit der für diese Region eigentlich ungewöhnlichen Marine-Uniform, begeistert werden und die Spielleute bekamen so Gelegenheit, auf vielen Grevener Schützenfesten zu spielen.

Für die Finanzierung der schicken Uniform ließen sich die Musiker übrigens so einiges gefallen. Pferdeställe wurden ausgemistet, beim Aufbau des Schießstandes in Wentrup wurde tatkräftig mitgeholfen, sogar als Schauspieler in einem Theaterstück betätigte man sich.

Höhen und Tiefen musste der Spielmannszug im Jahr 1961 überstehen.

Der langjährige Tambourmajor und Vorsitzende Josef Schweifel verstarb und mit ihm der unermüdliche „Antreiber“ des Vereinslebens. Einige Zeit vorher war bereits Karl Sasse in seine Fußstapfen getreten, der vor allem durch sein Engagement dem Verein zu einem sauberen und erstklassigen äußeren Erscheinungsbild verhalf.

Dieses durfte die Grevener Bevölkerung beim großen Freundschaftstreffen aus Anlass des 30-jährigen Jubiläums am 20. August 1961 bestaunen. Nach einem Festumzug durch die Stadt wurden die auswärtigen Spielmannszüge am Nachmittag im Saal der Gaststätte Ludwig Winninghoff begrüßt. Der Jubeltag endete am Abend mit einem öffentlichen Festball zu dem die „flotte Tanzkapelle Grenzlandgruß“ aus Südlohn aufspielte.

In den weiteren 60er Jahren spielte die Fa. Anton Cramer in vielerlei Hinsicht eine große Rolle im Leben der Spielleute. Nicht nur, dass ein Großteil der jungen Männer dort seine Arbeit fand, auch zu Versammlungen und vor allem regelmäßig zur Probe traf man sich in den Räumlichkeiten der Firma. Zwischen den Webstühlen war reichlich Platz zum Musizieren für jeden Musiker und zum Marschieren für den gesamten Verein. Dass die Musiker bei den Marschierübungen in ihrer Reihe blieben, dafür sorgten schon die Ecken und Kanten der Webstühle. Ein seitliches „aus der Reihe tanzen“ hatte immer schmerzliche Auswirkungen. Marschieren konnten daher die Musiker in den Jahren (was nicht heißen soll, dass sie es bis heute verlernt hätten).


Auf zum Betriebsfest der Fa. Anton Cramer


Als Dankeschön für das Entgegenkommen der Firma begleitete der Spielmannszug die Belegschaft des Öfteren zum Betriebsfest nach Gelmer (wie auf dem Bild zu sehen ist, natürlich mit Spiel und zu Fuß).
Die Aufgaben eines Tambourmajors waren auch schon in den früheren Jahren nicht ganz leicht. Zwar brauchte er durch das disziplinierte Auftreten der Spielleute die Aufstellung dieser selten korrigieren, jedoch musste ab und zu auch mal eine Probestunde ausfallen, da ein Großteil der Mitglieder das Catchen in der Halle Münsterland an dem Abend einfach interessanter fand. Auch wurden die Löcher der damals noch aus Holz gefertigten Flöten mit einem scharfen Messer zuweilen etwas größer gemacht - dadurch waren sie wohl leichter zu spielen aber nicht mehr stimmig. Sogar die Kettbäume der Webstühle hatten gelegentlich unter Trommelstockschlägen zu leiden, aber die vereinszugehörigen Weber konnten dies am nächsten Morgen schnell bereinigen.

Ende der 60er durften sich die Spielleute auf dem Gelände des Hofes Dertenkötter (in der Nähe des jetzigen Anglerheimes) ein „Vereinsheim“ errichten. Mit viel Eigenleistung wurde dort eine andernorts abgebaute Hütte aufgestellt, die fortan vor allem zu den Probestunden genutzt wurde. Aber auch Versammlungen (gelegentlich sogar bis in den frühen Morgen hinein) fanden dort statt und auch so mancher „Herrenabend“ (immer bis in den frühen Morgen hinein).

In der „Hütte“ entstand auch die Idee, dem Spielmannszug ein Blasorchester anzugliedern. Die „Emsmusikanten“ sollten nach diesen Vorstellungen zukünftig mit den Spielleuten voran, Pauke und Becken in der Mitte und zum Schluss den Bläsern, auftreten. An einigen Proben nahmen daher auch schon Bläser teil. Diese einschneidende Veränderung ging allerdings einigen Spielleuten eindeutig zu weit. Das Experiment Blasorchester war damit schnell wieder erloschen und mit ihm auch das Vereinsheim.

Im Juni 1973 gab es dann einen großen Umbruch im Spielmannszug. Ein mehrköpfiger Vorstand sollte von nun an die Geschicke des Vereins lenken. Die damals 31 aktiven Mitglieder übergaben die musikalische Verantwortung an Heinz Fraune, als 1. Vorsitzenden wählten sie Werner Terschluse und als Kassierer und Schriftführer wirkte, wie schon zuvor, Erich Fraune. Dieser geschäftsführende Vorstand führte den Verein viele Jahre und legte durch neue Schwerpunkte wie Jugendarbeit und Kameradschaft den Grundstein für das heutige Erscheinungsbild des Spielmannszuges.

Bereits ein Jahr später am 12. Juli 1974 war auf einer Versammlung zum ersten Mal das Thema Mädchen im Verein in aller Munde. Nach langer Diskussion wurde die Entscheidung hierzu jedoch vertagt. Auf dieser Versammlung, auf der die Jugendlichen übrigens vom 1. Vorsitzenden um 21:00 Uhr nach Hause geschickt wurden, erklärten die Spielleute unter anderem die Siedlerklause zu Ihrem Vereinsheim, beschlossen alle 14 Tage Samstagnachmittags zu proben und führten Strafgelder für unentschuldigtes Fehlen bei Auftritten oder Probestunden ein.

Bei einem Schützenfest des Schützenvereins Maestrup Mitte der 70er Jahre gelang es einem der Flötisten, den Vogel von der Stange zu holen. Leider war er kein Mitglied des Schützenvereins und musste daher den Vogel wieder aufsetzen lassen. Zudem leistete er auch noch als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr seinen Dienst, sodass ihm auch das nötige Kleingeld fehlte, um das obligatorische Fass Freibier zu stiften, welches in solchen Fällen immer zu geben war. Somit floss die Gage des Spielmannszuges direkt an den Festwirt und der Flötist durfte den Betrag in gesunden Raten an den Verein abstottern.

Auf dem Auftrittsplan in den 70er und 80er Jahren stand natürlich immer auch der Kinderkarneval durch die Straßen des Grevener Südens. Jedes Jahr ließen sich die Frauen der Spielleute interessante Kostüme einfallen und schneiderten sie für die „Jungs“ zusammen.


Der Spielmannszug beim Grevener Kinderkarneval


Neben den regelmäßigen Probestunden und Auftritten bei den Grevener Schützenfesten standen in den Folgejahren aber auch Feste und Fahrten auf dem Programm der Spielleute. Hieran nahmen grundsätzlich auch die Familienmitglieder teil, wodurch nicht nur immer eine große Truppe beisammen war, es war auch immer sehr viel Spaß und Begeisterung dabei. So übernahmen die Jugendlichen des Vereins die Organisation einer Fahrradrally mit anschließendem Fußballspiel der Senioren gegen die Junioren. Noch heute erzählen die damaligen Teilnehmer von diesem Spiel. Man erzählt sich auch noch von der abenteuerlichen Überquerung der Glane auf einem Baumstamm. Nicht alle Spielleute kamen trockenen Fußes hinüber, selbst einige Rippen kamen nicht ungeschoren davon.

Am 30.10.1977 trafen sich die Spielleute zu einer Versammlung in der Marienhauptschule, in der man damals Probenräume zur Verfügung hatte und auch heute noch hat. Hier beschlossen die Mitglieder unter anderem, die Belange der vielen Jugendlichen im Verein durch ein eigenes Vorstandsmitglied vertreten zu lassen. Zum ersten Jugendwart wurde daher Klaus Ottenjann gewählt. Auch beschlossen die Spielleute auf dieser Versammlung, ihre Uniform um eine Mütze zu erweitern, die bei Auftritten in ziviler Kleidung getragen werden sollte. Die erste Gelegenheit dazu bot sich dann auf dem Polterabend des Flötisten Sandy (Sessendrup). Die sogenannte „Sandy Mütze“ dient noch heute dem gleichen Zweck und wird von allen Spielleuten gerne und oft getragen.

Seit dem Jahr 1979 proben die Spielleute auch am Mittwochabend in der Marienhauptschule.


Probestunde in der Marienhauptschule


Seit dem gehört der Spielmannszug Einigkeit Greven dem Volksmusikerbund an. Hiervon erhofften sich die Musiker damals nicht nur finanzielle Vorteile, wie geringere Gema-Gebühren bei öffentlichen Veranstaltungen, sondern vor allem die Möglichkeit der Teilnahme an Lehrgängen und der Kontakt zu anderen Musikvereinen waren ihnen wichtig.

Diese Kontakte wurden bereits ein Jahr später genutzt und auch erweitert. Auf einem Wettstreit in Laer sprachen die Spielleute mit vielen Vertretern anderer Vereine und trafen sie im Jahr 1981 bereits beim nächsten Wettstreit in Nottuln-Appelhülsen wieder. Beim Wettstreit in Laer konnte übrigens in der Gruppe B ein 1. Platz belegt werden. Die Rückkehr nach Greven ist vielen noch heute in guter Erinnerung.

Vor dem Wettstreit in Nottuln-Appelhülsen stand bei den Spielleuten jedoch ihr 50-jähriges Jubiläum auf dem Programm des Jahres 1981. Für das Wochenende vom 8. bis zum 10. Mai hatten sie sich eine Menge einfallen lassen. Zunächst wurden am Freitagabend die Grevener Jugendlichen mit einer Disco angesprochen. Im Festzelt auf dem Platz neben der Johanneskirche an der Vogelstiege spielten die Gruppen „Seitenweise“ und „Marilyn Rock“ auf. Sie brachten so richtig rockigen Schwung in die Bude. Am Samstag wurde dieses Zelt dann für die abendliche Jubiläumsfeier genutzt. Zum Festakt konnten Ehrengäste der Stadt Greven, der katholischen Kirche, der Grevener Schützenvereine und von befreundeten Musikvereinen begrüßt werden. Sowohl die Festansprache des Ehrenvorsitzenden des Schützenvereins Einigkeit Sandweg, Albert Lake, als auch die anderen Glückwünsche und Gratulationen zeigten den Spielleuten die freudige Anteilnahme an Ihrem Vereinsjubiläum. Aus den Händen des Vorsitzenden des Schützenvereins Einigkeit Sandweg, Paul Ecke, durften sie einen neuen Tambourstab entgegennehmen und die ehemaligen Spielleute des Jubelvereins übergaben eine Geldspende, mit der eine neue Lyra angeschafft wurde. Der Abend klang mit einem anschließenden öffentlichen Ball erst in den Morgenstunden aus. Um 10 Uhr wurde der Sonntag dann schon wieder mit einem Hochamt in der Marienkirche begonnen.


Der Spielmannszug bei der Festmesse zum 50-järigen Jubiläum am 10. Mai 1981


Dem schloss sich ein zünftiger Frühschoppen im Festzelt an und ab 13 Uhr stand dann nur noch Musik im Vordergrund. 22 Gastvereine konnten auf dem Festplatz begrüßt werden und unter der Leitung des Tambourmajors des Jubelvereins, Heinz Fraune, spielten 700 Musiker gemeinsam „Preußens Gloria“. Es war schon ein tolles Erlebnis, sowohl für die Zuschauer als auch für alle teilnehmenden Spielleute. Der dann folgende Festumzug führte die Vereine durch die von Anliegern geschmückten Straßen des Grevener Südens. Auf dem Festplatz klang der Tag begleitet von Auftritten einzelner Vereine aus. Einhellige Meinung nach der Veranstaltung: absolut gelungen. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres und als Dankeschön an die vielen Helfer aus dem Verein unternahmen die Spielleute mit ihren Frauen und dem Vereinswirt Willi Aust zum Herbst des gleichen Jahres hin eine Fahrt an die Mosel. Der Weinort Brauneberg war Ziel dieser Tour und die Mitglieder der Brauneberger Blaskapelle stellten Privatquartiere zur Verfügung. Eine Moselfahrt und die Besichtigung des Weingutes Matthias Erz standen neben dem traditionellen moselländischen Heimatabend, bei dem der Spielmannszug sein musikalisches Können bewies, auf dem Programm.

Im Jahr 1982 wurden dann erstmals Lehrgänge des Volksmusikerbundes besucht. Manfred Asche, Ulrich Ottenjann und Michael Fraune (Trommler) sowie Ralf Fraune und Manfred Sessendrup (Flötisten) stellten sich diesen Herausforderungen als Erste.

Frisch vom Lehrgang zurück übernahm Michael Fraune dann den Tambourstab vom langjährigen ersten Tambourmajor Heinz Fraune. Dieser wollte nach zehnjähriger Tätigkeit diese Verantwortung in jüngere Hände geben. Der 1. Vorsitzende des Vereins, von dem er einen „kleinen“ Stab erhielt, dankte ihm für seine Tätigkeit. Der neue Tambourmajor brachte auch sofort neuen Wind in die musikalische Ausrichtung des Vereins. Mit einem erweiterten Flötensatz hielt die konzertante Musikliteratur auch beim Spielmannszug Einigkeit Greven Einzug in das Repertoire.

In den Folgejahren standen unterschiedliche Programmpunkte auf dem Auftrittsplan des Spielmannszuges. Jubiläum des Schützenvereins Bahnhof (50 Jahre), Freundschaftsreffen in Emsdetten-Sinningen, Wettstreit in Bad Berleburg, 24-Stunden-Schwimmen des TVE im Grevener Hallenbad zugunsten der Aktion Sorgenkind, Reitturnier in der Halle Münsterland. Diese und ähnliche Termine konnten die Jahrespläne attraktiv gestalten, die jährlich wiederkehrenden Schützenfeste und Auftritte zu Karneval und beim Pfarrgemeindefest St. Marien füllten sie zudem.


Geselliger Abend in der „Halterner“ Mühle


Die Tradition auswärtiger „Trainingslager“ begann in den 80er Jahren mit einem Wochenende in der „Halterner“ Mühle in Lembeck. In diesem Selbstverpflegerhaus wurde neben den Probestunden auch dem geselligen Beisammensein einige Zeit geopfert. Wiederum eine Veranstaltung, über die noch Jahre später gesprochen werden sollte. Vor allem das Auskurieren von Krankheiten wie Fieber mittels Zäpfchen ist ein beliebtes Thema beim Rückblick auf dieses Trainingslager.

1987 konnte der Spielmannszug beim 90. Vereinsjubiläum des Schützenvereins Einigkeit Sandweg einem großen Publikum die zwei Jahre vorher angeschaffte neue Marineuniform präsentieren. Zusammen mit dem Blasorchester „Friedensklang Ostendorf“ boten die Musiker den Schützenbrüdern am Sonntagmorgen ein Frühschoppenkonzert. Die Freundschaft dieser beiden Musikvereine wurde durch viele weitere gemeinsame Auftritte und Veranstaltungen in den folgenden Jahren gefestigt. So boten beide Vereine bereits im Jahr 1991 der Grevener Bevölkerung ein Jubiläumskonzert zum 60-jährigen Bestehen des Spielmannszuges. Am 5. Oktober zogen sie Samstagabends in der Rönnehalle alle Register Ihres Könnens. Mit Stücken aus allen Bereichen der Musik begeisterten sie die voll besetzte Halle und kassierten nicht nur lang andauernden Applaus sondern auch über 5.500 DM an Reinerlös. Dieser Betrag wurde anschließend der Grevener Lebenshilfe für die Einrichtung eines Behinderten-Wohnheims zur Verfügung gestellt.

Kurz vor dem großen Jubiläumskonzert durfte der Spielmannszug Einigkeit Greven seinen bis dahin größten musikalischen Erfolg feiern. Angetreten beim Landesmusikfest in Geseke konnten sie in der Oberstufe mit den Konzertmärschen „Die Regimentskinder“ und „Jubelklänge“ einen ersten Rang mit Belobigung erreichen. Diese beiden Stücke durften natürlich beim Jubiläumskonzert nicht fehlen. Und diese Veranstaltung in Geseke war der Anstoß zu einer Vielzahl von Freundschaftstreffen, Wettstreiten und Wertungsspielen, die in den folgenden Jahren besucht wurden. Stationen waren hier zum Beispiel Ochtrup, Recke, Schüttorf, Suddendorf, Büderich, Bonn-Oberkassel, Freienohl oder auch Hörstel Kobben-Poggenort. Immer wurden die Spielleute nicht nur von einigen Familienangehörigen begleitet, auch ein sogenannter Fan-Club aus mittlerweile passiven Spielleuten des Vereins trat häufig die Reise im Bus mit an und trug stimmgewaltig zu den jeweiligen Erfolgen bei. Passiv kann übrigens nur werden, wer 25 Jahre aktiv im Verein tätig ist.

Die Vorstandswahlen der Jahreshauptversammlung 1993 bescherten dem Verein einen neuen Vorsitzenden. Werner Terschluse, der mehr als 20 Jahre den Verein lenkte, stellte dieses Amt zur Verfügung. Da er als passives Mitglied dem Verein weiterhin verbunden blieb, wurde er mit den Worten verabschiedet „Unser Kapitän verlässt die Kommandobrücke, aber er bleibt an Bord, an Bord eines Schiffes, das er auf den richtigen Kurs gebracht hat“. Johannes Böing führte von da an den Verein als 1. Vorsitzender. Die musikalische Leitung blieb in den Händen von Michael Fraune, der im gleichen Jahr die Ausbilderprüfung vor dem Volksmusikerbund mit Bravour absolvierte.

Sein soziales Engagement bewies der Verein erneut bei einem Benefizkonzert zugunsten der Kinderkrebsklinik Münster auf der Freilichtbühne in Tecklenburg. Zusammen mit insgesamt 15 Spielmannszügen und Blasorchestern erspielten hier mehr als 700 aktive Musiker vor weit über 1000 Zuschauern 9.000 DM für den guten Zweck.

Im November 1993 stand den Spielleuten wieder ein auswärtiges Trainingslager bevor. Die Schützenhalle in Kirchrarbach war in diesem Jahr Ziel der rund 80 Personen starken Gruppe. Neben Luftmatratze und Schlafsack hatten die Spielleute natürlich ihre Instrumente mitgebracht und so wurde während des Aufenthaltes im Sauerland ein neues Stück einstudiert und die alten Stücke mal wieder ein bisschen aufpoliert. Auch auf dieser Fahrt kam der gesellige Teil nicht zu kurz. Das Organisationsteam hatte sich neben dem obligatorischen Diaabend und der Nachtwanderung ein Wiggel-Waggel-Spiel ausgedacht, welches bei den Fahrten in den folgenden Jahren nicht mehr im Programm fehlen durfte. Die große Schützenhalle ließ auch die Ausübung diverser Sportarten zu. So konnte in der Halle Federball und Tischtennis gespielt werden und selbst morgens um sechs war der Kicker bereits von den Jugendlichen des Vereins belegt - was bei den Erwachsenen allerdings nicht so gut ankam.

Interessante neue Auftritte standen im Jahr 1994 an. Beim Cityfest gaben die Musiker des Spielmannszuges zusammen mit denen der Musikvereinigung Münsterland-Greven am Samstagabend auf der Bühne des Marktplatzes ein Serenadenkonzert. Den Ehrungsnachmittag des Volksmusikerbundes -Kreisverband Münsterland- im Hotel Stegemann durften sie zusammen mit dem befreundeten Blasorchester Friedensklang Ostendorf musikalisch umrahmen.

Nach dem erfolgreichen Abschneiden beim Landesmusikfest 1991 in Geseke war der Besuch des Bundesmusikfestes im Jahr 1995 in Münster natürlich keine Frage mehr. Unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl sollte zu Pfingsten in der Westfalenmetropole auf allen Straßen und Plätzen Musik erklingen. Dazu hatten sich rund 300 Vereine mit zusammen 13.000 Aktiven angemeldet. Eröffnet wurde das Wochenende am Freitagabend mit einem Konzert des Landesspielleutekorps NRW auf dem Prinzipalmarkt. Samstag und Sonntag standen dann die Wertungsspiele und Platzkonzerte auf dem Programm. Den krönenden Abschluss fand das Wochenende am Montag im Preußen-Stadion.


Das Preußen-Stadion fest in Musikerhand


Hier wurden von rund 3.000 Musikern gemeinsam unter anderem zwei Stücke gespielt, die extra für diese Veranstaltung geschrieben und komponiert wurden. „Schön ist die Jugend“ und „Westfalen-Gruß“ gehören noch heute zum Repertoire des Spielmannszuges Einigkeit, der auch an diesem Abschlusstag in Münster mit dabei war. Bei den Wertungsspielen in Münster erhielten sie sowohl in der Marschwertung als auch beim Bühnenspiel in der Oberstufe das Prädikat „sehr gut“.

Diesem Höhepunkt im Vereinsleben des Spielmannszuges folgte ein Jahr später mit der Ausrichtung der 1. Grevener Musiktage unter dem Motto „Musik schafft Freu(n)de“ ein weiterer. Aus Anlass des 65-jährigen Bestehens des Spielmannszuges wollte man den bisherigen gelungenen Jubiläumsfeiern noch einen drauf setzen. Jung und Alt wollten die Spielleute vom 19. bis zum 21. April 1996 begeistern. Im Nachhinein darf man sagen: es ist ihnen gelungen. Am Freitagabend kamen rund 1.300 Jugendliche zum Discoabend mit der „Top 40“-Band „Yankees“ ins Festzelt am Anglerheim. Der Samstag war den befreundeten Musikvereinen vorbehalten. 30 an der Zahl aus der nahen und fernen Umgebung hatten sich kurz nach Mittag an verschiedenen Punkten im Grevener Süden aufgebaut und zogen im Sternmarsch zum Festplatz. Viele Schaulustige säumten zunächst den Marschweg und verfolgten dann im Laufe des Nachmittags ein buntes und abwechslungsreiches Bühnenspiel der Gastvereine. Die Musiker und Zuhörer ließen den Abend dann im Festzelt ausklingen, denn hier konnte die Show-Band „Valentinos“ zahlreiche Tänzer begeistern. Erneut war die Veranstaltung bis in die frühen Morgenstunden gut besucht.


Das Festzelt während der Bühnenspiele


Am Sonntag versuchte sich der Spielmannszug dann als Ausrichter eines musikalischen Wettstreits. Bei den vielen Teilnahmen an gleichartigen Veranstaltungen in den letzten Jahren hatten sich die Spielleute so einiges abgeguckt und konnten so Fehler von anderen Veranstaltern bereits bei der Planung im Vorfeld vermeiden. Und so kam das Konzept bei vielen der eingeladenen Vereine gut an und 17 stellten sich den Prüfungskriterien in der Rönnehalle. Für die neutralen Wertungsrichter Bernhard Viegener (Dirigent des Landesspielleutekorps) und Hans Orterer (Chef des Luftwaffenmusikkorps Münster) spielten dabei Ausdruck und Dynamik, Rhythmus, Zusammenspiel und Schlagtechnik, aber auch exaktes und deutliches Dirigat eine große Rolle. Ihre Verteilung der Punkte hatte dann am Ende der Veranstaltung Auswirkung auf die Vergabe der Pokale, welche durch einen Grevener Geschäftsmann gesponsert wurden. Die Siegerehrungsfeier musste jedoch um einige Zeit nach hinten geschoben werden, denn dem Motto des Wochenendes folgend, hatten sich viele Freunde der Musik an diesem Sonntag gesucht und gefunden und feierten die Pokale schon vorher mit zahlreichen Polonaisen und „La Ola“. So gab es an diesem Wochenende nur Gewinner und keine Verlierer. Tagessieger über alle durchgeführten Klassen hinweg wurde der Spielmannszug der freiwilligen Feuerwehr Nottuln, der aus den Händen des Schirmherrn, Bürgermeister Rudolf Steingrube, den Tagespokal empfing.

Dass der Spielmannszug Einigkeit Greven ein Verein ist, dem sich seine Mitglieder auf Jahre hinaus verbunden fühlen, beweist unter anderem die Tatsache, dass in den 90er Jahren insgesamt 6 Mitglieder für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt werden konnten. Heinz Fraune (1991), Erich Fraune und Werner Terschluse (1994), Franz Feldmann und Hellmut Wallmeyer (1996) sowie Clemens Knüver (1997) durften dieses seltene Vereinsjubiläum begehen. Mittlerweile sind ihnen Albert Knüver und Georg Determann (2002) sowie Hans-Jürgen Agnischock (2004) darin gefolgt. Leider konnte der langjährige Tambourmajor des Vereins, Heinz Fraune, seine 50-jährige Vereinszugehörigkeit nicht mehr feiern, er verstarb im Jahr 2000, aber in den Reihen der passiven Mitglieder gibt es heute bereits „50er“.


Der Große Zapfenstreich auf dem Marktplatz


Ein besonderer musikalischer Leckerbissen erwartete die Grevener Bevölkerung im Juni 1997. Zum Auftakt des 100-jährigen Jubiläums des Schützenvereins Einigkeit Sandweg gaben die Spielleute zusammen mit dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Wettringen ein abendliches Platzkonzert auf dem Marktplatz. Abordnungen der 17 Grevener Schützenvereine und zahlreiche Musikinteressierte fanden den Weg in die Grevener Innenstadt. Ein abwechslungsreiches volkstümliches Konzert erwartete sie hier. Der absolute Höhepunkt des Abends: gegen 23.00 Uhr spielten beide Vereine zusammen den „Großen Zapfenstreich“. Begleitet von Fackelträgern und den Damen der Ehrengarde des Schützenvereins Friedrichsburg zogen die Musiker mit dem Marsch „Gruß an Kiel“ auf den Marktplatz auf. Dann folgte die seit Jahrzehnten festgelegte Abfolge von Musikstücken (Locken, Zapfenstreichmarsch, 3 Posten und Gebet), abgeschlossen mit der Nationalhymne. Der Auftakt zu den Jubelfeiern des Schützenvereines war absolut gelungen.

Auch den Abschluss der Feierlichkeiten zum 100-jährigen des Schützenvereins Einigkeit Sandweg gestalteten die Musiker des Spielmannszuges. Zusammen mit ihren in Greven bereits durch die Verbundenheit zum Spielmannszug bekannten Freunden des Musikvereins Friedensklang Ostendorf boten sie Ende Oktober 1997 wiederum ein großes Konzert in der Rönnehalle. Unter dem Motto „Von der Klassik zur Moderne“ trugen beide Vereine einen Streifzug durch die Entwicklung ihrer Musik vor. Klassische Stücke mit Stilen wie Rondo und Menuett, Auszüge aus Opern, Operetten und Musicals, bekannte Fernsehmelodien und Kompositionen mit Samba- und Cha-Cha-Cha-Rhythmen standen auf dem Programm. Stücke unter anderem von Jaques Offenbach und Johann Strauß, aber auch von Andrew Lloyd Webber oder Jan van der Roost waren zu hören. Und natürlich wurde den fast 1.000 Gästen an dem Abend Marschmusik geboten. Als zweite Zugabe hörten sie „Alte Kameraden“ von Carl Teike, das für einen solchen Abend obligatorische letzte Stück.

Auf der Herbstversammlung im November 1997 beschlossen die damals 38 aktiven Musiker, regelmäßig am vierten Samstag im November ihren „Herrenabend“ zu feiern. Diesen Beschluss mussten sie bereits im nächsten Jahr den neuen Gegebenheiten anpassen, denn im Laufe des Jahres 1998 öffneten sie ihren Verein auch für weibliche Musikinteressierte. Der bis dahin als reiner „Männerverein“ geführte Spielmannszug konnte dann auch im ersten Jahr bereits 11 Mädchen als Auszubildende in ihren Reihen begrüßen. In dem Jahr konnte die Grevener Bevölkerung öfter als in den vorherigen Jahren den Klängen des Spielmannszuges lauschen. Neben den regelmäßigen Terminen waren in diesem Jahr auch das Maifest und das Cityfest angesagt. Für letzteres, welches unter dem besonderen Anlass der 30-jährigen Städtepartnerschaft Greven/Montargis gefeiert wurde, hatten die Spielleute ein Westfälisch/Französisches Programm aufgelegt. Neben Westfalengruß und Jubelklänge wurde den Zuhörern Musik aus der Oper „La dame blanche“ und der Can-Can geboten. Selbst die französische Nationalhymne wurde dargebracht. Mit diesem Programm machten sich die Spielleute viele Freunde in Greven, und bestimmt auch in Montargis.

Seit dem Jahr 1998 steht auch jedes Jahr der Kirmessonntag auf dem Terminplan des Spielmannszuges. Um 11.00 treffen sich die Spielleute und deren Familienangehörigen bei (ehemals) Magnus und auf geht's zum großen Rundgang über die Kirmes. Mit einem kleinen Zuschuss vom Kassierer des Vereins in der Tasche geht es von einem “Scheesken“ zum nächsten und ab und zu auch mal zum Bierrondell, bis dann am frühen Nachmittag die Jüngsten von Ihren Eltern abgeholt werden und die älteren den Rundgang auf eigene Faust fortsetzen.


Auszubildende mit Ihren Ausbildern


Die Ausbildung des Nachwuchses haben beim Spielmannszug Einigkeit immer schon die Vereinsmitglieder ehrenamtlich durchgeführt. Dass diese den Vergleich mit anderen Ausbildern nicht scheuen müssen, zeigt sich zum Beispiel darin, dass bei dem Lehrgang des deutschen Volksmusikerbundes zum bronzenen Leistungsabzeichen im Jahre 1996 Henning Walter und David Bajrami die Prüfung mit der höchstmöglichen Punktzahl (100 von 100) ablegten - Henning Walter gelang dieses seltene Ergebnis 1999 bei dem silbernen Leistungsabzeichen erneut. Auch auf Wettstreiten und Wertungsspielen brauchen sich die Nachwuchsmusiker nicht zu verstecken. In Osnabrück konnte 1997 in der Jugendklasse ein 2. Platz verbucht werden. In Bonn Oberkassel wurde das Spiel in kleinen Gruppen (2 x Flöte, 1x Lyra, 1x Trommel) ebenfalls mit dem 2. Platz honoriert und der Soloauftritt von Andre Müther, der mit seiner Trommel einen „Gruß aus Münster“ überbrachte, ließ nicht nur die Zuhörer staunen. Auch die Wertungsrichter waren von seiner Leistung vollends überzeugt und belohnten ihn mit einem 1. Platz.

Der BDKJ-Jugendhof Vechta war im Oktober 1999 Ziel eines erneuten auswärtigen Trainingslagers. Zusammen mit Ihren Familienangehörigen konnten die Spielleute in diesem hervorragend ausgestatteten Haus ihr altes Repertoire auffrischen. Und während sie musizierten, konnte der Anhang die Stadt Vechta erkunden und vor allem das Wiggel-Waggel-Spiel vorbereiten. Selbst die auf dem benachbarten Zeltplatz untergebrachten Jugendlichen hatten ihren Spaß an diesem Spiel.

Die Spielleute-Musik wird den meisten Zuhörern durch Live-Auftritte präsent sein. Doch vom Spielmannszug Einigkeit Greven kann man die Musik jetzt auch konserviert hören. Durch die aus Anlass des 50jährigen Stadtjubiläums im Jahr 2000 vom Förderverein Musicale aus der Taufe gehobenen Talentschmiede sollten die Grevener Musiktalente gefunden werden. Musiker der unterschiedlichsten Musikrichtungen waren aufgefordert, sich und ihre Musik einer Jury gegenüber vorzustellen. Die besten ihrer Klasse durften dann Ende November 2000 ihr Können in der Aula des Gymnasiums darbieten. Gleichzeitig kam eine CD mit diesen 16 Preisträgern heraus. Der Spielmannszug Einigkeit Greven ist auf dieser CD mit dem Stück „Auf einem persischen Markt“ vertreten.

Diese Veranstaltung und wiederum einige Wettstreite im Jahr 2000 unternahmen die Spielleute bereits unter neuer Vereinsführung. Im März übernahm Frank Utrup die Leitung vom damaligen 1. Vorsitzenden Johannes Böing. Und er hatte sofort eine Großveranstaltung vorzubereiten.

Für das im darauf folgenden Jahr anstehende 70-jährige Jubiläum ihres Vereins wollten die Spielleute erneut viel Musik bieten und planten daher rechtzeitig die 2. Grevener Musiktage. Und diesmal wollten sie an einem Wochenende im April die Rönnehalle in einen Musikpalast verwandeln. Samstagabends luden sie zusammen mit dem Musikverein Friedensklang Ostendorf zur musikalischen Reise über die Kontinente. Zwischenstopps waren hier unter anderem „Glück auf“, „Spanish Fever“, „Kleine ungarische Rhapsodie“, „Auf einem persischen Markt“ und „Japanischer Tanz“. Die Presse und 800 begeisterte Zuhörer sprachen nach der Veranstaltung von „Musik, die in Greven schon lange nicht mehr zu hören war.“


Der Musikpalast Rönnehalle am Samstagabend


Obwohl die Vorbereitungen zu diesem Wochenende allen aktiven Spielleuten im Vorfeld schon sehr viel Zeit kostete, war der Sonntag ein organisatorischer Kraftakt. Acht Schichten zu je anderthalb Stunden, 40 Helfer pro Schicht, 90 Helfer insgesamt. Mit diesem Fahrplan wurden über 800 Gäste bewirtet, 36 Auftritte von 20 Musikvereinen gemanagt und rund 650 Spielleute bei Laune gehalten. Letzteres war allerdings leicht. Hatten die erfahrenen Teilnehmer des Wettstreites doch den 60 cm hohen Tagespokal, der auch diesmal von einem Grevener Unternehmen gesponsert wurde, den ganzen Tag vor Augen. Und die Neueinsteiger bei solchen Wettstreiten, für die erstmals die Einführungsstufe - das heißt keine Punkte oder Platzierungen, lediglich Kritikgepräche mit der Jury - ausgerichtet wurde, waren vor ihrem Auftritt nur nervös, so dass es danach nur wenig Aufwand bedurfte, um ihren Adrenalinspiegel zu senken. Der Schirmherr der Veranstaltung, Bürgermeister Egon Koling, konnte am Abend den Tagespokal dem Spielmannszug Lohne überreichen und feststellen, dass durch diese 2. Grevener Musiktage „richtig Leben in die Halle gekommen ist.“ Und das war erst der Anfang des Jubeljahres. Das dritte Bundesmusikfest in Friedrichshafen durfte natürlich nicht ohne den Spielmannszug Einigkeit Greven stattfinden. Am 2. Juni starteten sie in den frühen Morgenstunden in Richtung Süden, um mit 20.000 anderen Musikern aus über 300 Vereinen die Stadt am Bodensee an diesem Pfingstwochenende in ein Musik-Mekka zu verwandeln. Hatten sie am Samstag noch Zeit, die Stadt und ihre Umgebung zu erkunden, so stand der Sonntag für die Grevener Spielleute ganz im Zeichen der Musik. Morgens war die Marschwertung angesagt. Ziel hierbei ist es, beim „Musizieren im Marschieren“ einen Gleichklang von Musik und Bewegung sowie ein repräsentatives Gesamtbild zu erreichen. In einem der zehn Wertungskriterien - Beurteilung des Zustandes der Instrumente, der Kleidung und des Gesamteindrucks - konnten sie die maximale Punktzahl erreichen und durch die ebenso hervorragende Bewertung der anderen Kriterien wurden sie in dieser Klasse mit einem „sehr gut“ ausgezeichnet. In der anschließenden Konzertklasse erreichten sie mit den Stücken „Auf einen persischen Markt“ und „Japanischer Tanz“ ebenfalls ein „sehr gut“. Für diese Klasse hatten sie ja auch in der Vorbereitung auf diese Veranstaltung extra eine Probe mit dem stellvertretenden Bundesmusikdirektor für das Spielmannswesen, Herrn Bernhard Viegener, absolviert. Und der durfte am Abend, extra an den Aufführungsort gereist, dem besten Verein aus NRW in der Konzertklasse, nämlich dem Spielmannszug Einigkeit Greven, gratulieren.

Im selben Jahr wurden auch drei Musiker des Spielmannszuges mit einer besonderen Auszeichnung geehrt. David Bajrami, Thomas Puls und Henning Walter wurden in das Landesspielleutekorps NRW berufen. In der nächsten Presseinformation des Korps hieß es dann von den Neuen, das sie „ordentlich was drauf haben“, und so gehörten sie schon beim nächsten Konzert zur Besetzung. Dies dürfen die Verantwortlichen des Spielmannszuges auch als einen weiteren Beweis für ihre ausgezeichnete musikalische Arbeit werten.


Der Spielmannszug bei einer „Marschwertung“


Auf der Jahreshauptversammlung im März 2002 wurden erneut Weichen gestellt für die Zukunft des Vereins. Die 37 aktiven Mitglieder beschlossen, sich ins Vereinsregister eintragen zu lassen. Und so heißt der Verein seitdem „Spielmannszug Einigkeit Greven von 1931 e.V.“ Auf dieser Versammlung wurde Michael Fraune für sein 20-jähriges Jubiläum als Tambourmajor geehrt.

In diesem Jahr stand auch wieder eine mehrtägige Fahrt auf dem Terminkalender des Spielmannszuges. Nach Detmold-Berlebeck in das Haus der DJK-Jugend führte es die Spielleute diesmal. Und nicht nur die Spielleute. Mit Nadine Schäpers, Susanne Freude-Welp und Bernhard Viegener luden sie sich „professionelle“ Ausbilder des Deutschen Volksmusikerbundes ein. Und diese drei machten sie so richtig fit für das neue Konzertstück „Castillos en Espana“, ein Stück mit unterschiedlichen spanischen Rhythmen. An diesem Wochenende stand also die Musik absolut im Vordergrund und so fuhren auch einigermaßen geschlauchte Spielleute nach drei Tagen zurück nach Greven.

Die Jugendlichen des Vereins präsentieren sich seit dem Jahr 2003 in besonderer Form. Bestehen bereits seit 1999 die Internetseiten des Spielmannszuges (www.einigkeit-greven.de), so gibt es seitdem auch eigene Seiten der Jugendlichen des Vereins (www.spzg-jugend.de.vu). Leider wurde die Seite der Jugendlichen mittlerweile geschlossen. Und ein Jahr später schlossen sie sich auch dem Stadtjugendring an.

Im Jahr 2004 nahmen sich die Spielleute wiederum große musikalische Auftritte vor, für die an zwei Samstagen mit Bernhard Viegener geprobt wurde. Kamen die Musiker noch ein wenig enttäuscht mit einem 3. Platz in der Oberstufe und einem 5. Platz in der Konzertklasse vom Wettstreit in Schüttorf zurück, so wurden sie für die anstrengenden Probestunden mit Bernhard Viegener auf dem Landesmusikfest in Olpe mit einem „sehr gut“ belohnt. Zusammen mit den Musikern von 70 anderen Musikzügen und denen des Reckenfelder Blasorchesters, die ebenfalls in Olpe antraten, wurde am Samstagabend am Biggesee eine für die Jahreszeit kalte, aber zünftige Abschluss-Party gefeiert.

Ein besonderes Highlight für die Musikbegeisterten in Greven und Umgebung gab es im Oktober 2004. Seit drei Jahren trafen sich regelmäßig interessierte Musiker aus fünf Grevener Spielmannszügen (Friedrichsburg, Ost, Nord, Schmedehausen und Einigkeit) im Stadtspielmannszug, um zusammen Stücke einzustudieren und diese einem breiten Publikum zu präsentieren. Und diese Präsentation stand nun also an. Auf einer dem Anlass entsprechend ausgeschmückten Bühne in der Rönnehalle boten die insgesamt 190 Musiker ein Programm, mit dem den 850 Gästen die „Spielleute-Musik im Wandel der Zeit“ näher gebracht wurde. Vom einfachen Marsch bis zum anspruchsvollen Konzertstück trugen die einzelnen Spielmannszüge Stücke aus ihrem Repertoire vor. Zur Verstärkung hatten sich noch die Musiker des Blasorchesters der Freiwilligen Feuerwehr Gimbte eingefunden, und auch sie trugen zum Gelingen des Abends kräftig bei. Der 50 Musiker starke Stadtspielmannszug zeigte zum Schluss, was aus so einer bunten Truppe herauszuholen ist. Mit dem Marsch „Take it up“, der heimlichen Hymne Schottlands „Highland Cathedral“ und dem fröhlich-flotten „The lion sleeps tonight“ zogen sie die Zuhörer in ihren Bann. Das Fazit des musikalischen Leiters dieses Spielleute-Projektes Michael Fraune lautete: „Das Projekt hat die Spielmannszüge zusammengebracht und zusammengeschweißt. Das war uns wichtig.“


Der Stadtspielmannszug


Wiederum hungrig auf ein Wiggel-Waggel-Spiel, fuhren die Spielleute mit ihren Familienangehörigen über Pfingsten 2005 zu einen Probenwochenende. Diesmal war das Ziel die Freizeit- und Begegnungsstätte Oese in der Nähe von Bremervoerde. Die vielen Probestunden an diesem Wochenende wurden für die Vorbereitung auf das 75-jährige Vereinsjubiläum des Spielmannszuges genutzt. Aber es stand auch noch Zeit für Spiele zur Verfügung. Neben dem bereits erwähnten obligatorischen Wiggel-Waggel-Spiel wurde ein großer Quizabend veranstaltet. Hierfür hatte sich das Organisationsteam einiges einfallen lassen und neben Fragen aus allen Bereichen des Allgemeinwissens auch Fragen über die Geschichte des Spielmannszuges vorbereitet. Die Urkunden hierfür wurden noch am gleichen Abend laminiert und ausgehändigt. Und nicht nur die Urkunden wurden an dem Wochenende laminiert.

Ihren besonderen Bezug zur Kirchengemeinde St. Marien durften die Spielleute im Januar 2006 zeigen. Bei der Feier im Haus der Begegnung nach der offiziellen Fusion der Kirchengemeinden St. Martini und St. Marien sorgten sie für die musikalische Untermalung.

Diese Chronik ist ein Rückblick auf die ersten 75 Jahre des Spielmannszuges Einigkeit Greven. Ich habe durch viele Gespräche, Durchsicht von Versammlungsprotokollen und Zeitungsartikeln und Recherchen im Internet und dem Grevener Stadtarchiv viele Daten zusammengetragen und die, die mir wichtig erschienen, hier aufgeführt. Insofern ist die vorliegende Chronik sicherlich subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sollte ich jedoch entscheidende Daten und Ereignisse vergessen oder sogar falsch dargestellt haben, bitte ich, mich darauf hinzuweisen. Ich werde dafür Sorge tragen, dass, zumindest in der nächsten Chronik, diese Hinweise Berücksichtigung finden. Johannes Böing


Spielmannszug Einigkeit Greven Vorschau aus der Bildergalerie


Was: Familienfest Schützenverein Sandweg
Wann: 11.09.2010   14:00 Uhr
Wo: Festplatz am Anglerheim
Anmerkung:
Wir werden ein Platzkonzert geben und einen Stand haben.
Was: Mittwochsprobe
Wann: 08.09.2010   19:30 Uhr
Wo: Hauptschule
Anmerkung: